Hallo und Hola!

Dies ist mein persönlicher Blog meines einjährigen Aufenthalts in Pucallpa als Freiwilliger mit dem Weltwärtsprogramm.

Viel Spass beim durchstöbern der Seiten…

Am 20. Augsut lande ich schon wieder in Deutschland…

Mittlerweile bin ich natürlich wieder zurück in Deutschland….

Unter Meine Arbeit findet ihr meinen Abschlussbericht…

Ostern in Perú

Osternest

Besuch in Lima und Ostern zusammen mit anderen Freiwilligen in Tingo Maria

Ende März organisierten die Freiwilligen von ADECAP in Lima eine Informationsveranstaltung bei der Universidad Católica, bzw. deren Vertreter für ländliche nachhaltige Entwicklung kurz `Groupo´

Leider konnten von unseren Bauern niemand teilnehmen und die Bauern der Adecap-Freiwilligen konnten wegen eines Erdrutsches nicht rechtzeitig anreisen. So waren es im Endeffekt 8 Freiwillige des Welthauses, die an der Veranstaltung teilnahmen. Uns wurden die Projekte der Gruppe gezeigt, die alle das Ziel haben, den Menschen in ländlichen Gebieten, die z.B. kein Wasseranschluss und kein Strom oder Heizung zur Verfügung haben mit einfachsten Mitteln, wie z.B. einer Pumpwippe, mit der Wasser gepumpt werden kann, indem z.B. die Kinder anfangen zu wippen, zu helfen.

Pumpwippe

Ein häufiges Problem ist auch, dass die Menschen nur eine offene Feuerstelle im Haus haben, keine Fenster besitzen und aufgrund der Rauchentwicklung erhebliche Gesundheitsschäden davon tragen und viele an deren Folgen auch sterben. Deswegen beschäftigen sich die Ingeneure auch viel mit so genannten Cocinas Mejoradas, also geschlossene Öfen, mit denen gekocht werden kann und deren Abgase aus dem Haus geleitet werden. Dabei besteht diese Tüftlergruppe nicht auf irgendwelche Patente, sondern sie sind froh, wenn sie ihr Wissen weitergeben können. So bieten sie z.B. auch direkte Schulungen vor Ort an. Ob dieses Angebot auch für uns in Frage kommt, ist fraglich, da unsere Bauern eh nicht in geschlossenen Räumen kochen, sondern die Häuser allgemein offen sind und das Problem der Rachabfuhr kein dringendes ist.

cocina mejorada

Nach der Informationsveranstaltung besuchte ich dann noch zwei weitere Freiwillige, die in Lima in einem Armenviertel am Standrand leben und in einem Kinderheim arbeiten. Ohne ihr Mitwirken wären die beiden hauptamtlichen Kräfte nicht in der Lage den Tagesbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Menschen in dem Viertel sind sehr freundlich und die beiden Freiwilligen zu 100% integriert. Das vielbeschriebene carino – die Herzlichkeit der Peruaner – wird hier einmal mehr spürbar.

Lima - Laderas

Die Menschen in diesem Teil Limas leben teilweise in winzigen Holzverschlägen, an den Berg gebaut, ohne Wasser und ohne Strom. Wir bestiegen an einem Tag die angrenzenden Hügel des Stadtteils und konnten uns das Viertel und vor allem die pure Trockenheit des Gebiets von oben aus ansehen. Sehr beeindruckend war der Besuch allemal, wenn es auch eine ganz andere Welt im Vergleich zum Regenwald ist. Auch besucheten wir die riesigen Einkaufszentren der Stadt und gingen z.B. Bowlen. Der Kontrast zwischen Arm und Reich ist groß in Lima und doch ist er nicht weit voneinander entfernt.

Hütte in Laderas

Nach meinem Limaaufenthalt fuhr ich nach Tingo Maria um den Geburtstag einer Freiwilligen mitzufeiern und anschliessend dort Ostern zu verbringen. Wir bemalten Eier und nachdem sie versteckt waren, konnten die anderen Freiwilligen diese Vertecke ausfindig machen… Eiersuchen, wie in Deutschland, nur diesmal im Regenwald…

Gefunden!

Ich konnte endlich mal wieder an der Universität Schlagzeug spielen und ein Tag wanderten wir durch den Nationalpark von Tingo Maria einem Stück geschützten Bergregenwaldes und wir genossen die Landschaft und konnten z.B. bei Wasserfällen baden gehen. Auch konnte ich zwei Tage in einer Baumschule der Uni Tingo mithelfen und konnte wieder einiges Neues erfahren.

Wasserfall direkt in die Trinkflasche

Leider wurde in der Zeit der Sendero Luminoso wieder tätig und ein Mensch wurde in einem Dorf nahe Tingo Maria getötet. Deswegen ist es für einige Freiwilligen im Moment gefährlich wieder in die Dörfer zurückzukehren…Zu guter Letzt gab es in der Zeit viele verheerende Erdrutsche, sodass die Strasse nach Pucallpa teilweise gesperrt war und ich schlussendlich etwas später nach Pucallpa zurückkam, was aber nicht schlimm war, da es schön war die vielen Freiwilligen wiedersehen zu können. Auch die Anreise nach Lima hatte ihre unvorhersehbare Komponente: Als ich mit dem Bus nach Lima reisen wollte, erfuhr ich, dass es ein Erdrutsch gegeben hatte und ich entschloss mich kurzerhand nach Lima zu fliegen, was zwar teuer, und vor allem umweltbelastend war, mir blieben aber leider nicht viele andere Möglichkeiten. Die Rückfahrt war trotzdem ein kleines Abenteuer. Der Fluss hatte große Teile der Strasse einfach weggeschwemmt, große Felsbrocken lagen im Flussbett und an einigen Stellen waren Schlammlawinen runtergekommen, sodass man teilweise warten musste, da die Strasse an einigen Stellen notdürftig repariert wurde.

unterwegs unter dem blätterdach

catarata

eine nicht mehr vorhandene strasse...

Auch mussten wir einmal das Auto, mit dem wir unterwegs waren, wieder aus dem Schlamm ziehen, da es sich festgefahren hatte. Zurück in Pucallpa muss ich mich erstmal wieder an die Mücken gewöhnen…

Hier noch einige Infolinks:

ADECAP:

http://www.welthaus.de/en/projects-abroad/projekte/peru/details/angebote/gegen-die-laendliche-armut-adecap/

Tingo Maria:

http://tingomariaperu.com/

Projekt Grupo:

http://www.pucp.edu.pe/invest/grupo

Mondaufgang über Tingo

Weihnachten mal anders…

Weihnachten im Stau, Jahreswechsel am Strand, die Erfüllung eines Kindheitstraumes und ein Stich


Strand von Pimentel

Dieses Weihnachten und dieser Jahreswechsel wollte ich bewusst anders verbringen und beide Anlässe sollten sich auch anders gestalten als teilweise vorher gedacht. Diesen Bericht werde ich mit mehr Fotos bereichern, da ich denke, dass man durch sie den besten Eindruck von meiner Reise bekommt. Diese Reise ab kurz vor Weihnachten sollte ein Strandurlaub werden, entlang der Nordküste Perus inklusive genügend Zeit sich am Strand zu entspannen oder eben körperlich aktiv zu werden. Die Reisegruppe bestand ausser mir aus 2 weiteren Weltwärts-Freiwilligen aus einem anderen Ort in der Selva und einem Missionar aus Pucallpa. Da Paul (Missionar a.d.R.) erst am 22.12. Urlaub bekam entschlossen wir uns mit dem Auto nach Tingo zu fahren und von dort aus möglichst schnell mit dem Nachtbus nach Lima zu reisen von wo aus die Nordküste erkundet werden sollte, anstatt von Pucallpa direkt nach Lima zu fahren. Wir fanden schnell eine Agencia, die uns nach Tingo fuhr, nachdem ich vormittags noch die letzten Erledigungen und Arbeiten erledigt hatte.

Pre-Inca-Kunst

Als wir jedoch in Tingo ankamen mussten wir zu unserem Entsetzen feststellen, dass es am gleichen Tag keinen Bus mehr nach Lima geben würde, da alle Busse ausgebucht waren. Unseren Plan noch am 23.12 aus Lima rauszufahren und Weihnachten irgendwo an der Küste in einem netten Bungalow zu verbringen war damit gescheitert, da wir erst am 23.12. einen Nachtbus nach Lima nehmen konnten. Somit konnten wir uns mit Max und Farah nicht in Lima treffen und die beiden reisten schon mal vor Richtung Trujillo, einer Stadt weiter im Norden. Also blieb Paul und mir noch Zeit in Tingo um Höhlen zu besichtigen und einen kleinen Rundgang durch den Nationalpark zu geniessen.

Im Nationalpark

In den Höhlen leben bestimmte eulenartige Vögel (Fettschwalme) und natürlich Fledermäuse über deren Kot sich bestimmte, nur in den Höhlen vorkommenden, Käfer freuen und von denen der ganze Boden wimmelt. Unser Guide liess uns auch eine Spinnenart mit besonders langen Beinen und Fühlern aus der Nähe betrachten – und das bei meiner latenten Spinnenfobie… Dann gingen wir noch zu einer Quelle, wo wir uns ein wenig abkühlen konnten und unsere Trinkflaschen auffüllen konnten. Alles in Allem ein sehr interessanter Besuch mit viel Selva-Vegetation. (Regenwaldpfllanzen) Der Nachtbus von Tingo nach Lima sollte eigentlich am Abend losfahren und am nächsten Morgen in Lima ankommen, wenn, ja wenn nicht dieser Erdrutsch gewesen wäre, der uns mit 10-stündiger Verspätung in Lima ankommen liess, weil es kein Durchkommen gab und die Fahrt zu einer Horrorfahrt machte, somal wir in der ersten Reihe saßen, in der am wenigsten Platz für lange Beine vorhanden war. Hinzu kam noch, dass der Stau, in dem wir dann steckten natürlich quasi am höchsten Pass ganz Perus sich abspielte – über 4000 Meter, da kann man auch mal höhenkrank werden.

Stau in den Anden

Müll in Lima

Als wir in Lima ankamen suchten wir uns ein Hotel im Stadtzentrum, liefen noch ein wenig durch die total volle Innenstadt, besuchten noch kurz einen Gottesdienst und fielen dann totmüde in unsere Betten. In Peru wird Weihnachten allgemein anders gefeiert. Erst ab 12 Uhr nachts wird im Familienkreis zu Hause gegessen und zusammengesessen. Vorher wird durch die Stadt geschlendert, eingekauft (die Geschäfte haben Sonderaktionen zu Weihnachten) auf den Rummel gegangen, und in den Gottesdienst gegangen. Bei diesem Gottesdienst wird sich dann z.B. eindrucksvoll per Handschlag gegenseitig Friede gewünscht, egal, ob man gerade als Tourist die Kirche betritt oder schon seit Zeiten in diese Kirche geht. Auch wird am heiligen Abend noch ausgiebig getanzt, wie an jedem Feiertag bzw. Wochenendtag (geht hier von Donnerstag bis Sonntag Abend) Am 25.12. fuhren wir dann weiter nach Trujillo, wo wir uns mit Farah und Max endlich treffen wollten.

Sand und Meer

Die Fahrt führte entlang der Panamerica (die von Nordamerica bis ins südlichste Südamerica Feuerlands führt) und wir konnten viele beeindruckende Blicke auf Perus Sandstrandküste erhaschen. In Trujillo verabredeten wir uns in einer Pizzeria, doch anstatt dort unseren hungrigen Mägen etwas gutes tun zu können, mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass der Pizzeria der Käse ausgegangen war und wir uns keine Pizza mehr bestellen konnten. Den Vergleich mit Deutschland erspare ich mir hier jetzt mal…Allgemein hatten wir auf unserer Reise öfters mal Entscheidungsprobleme in Bezug auf die Restaurantauswahl, was einerseits an dem Überangebot lag (Mancora), oder am schlechten Angebot (Tumbes) oder eben einfach an unserem schwierigen Entscheidungsprozess lag.

Chan Chan 2

Chan Chan

In Trujillo wohnten wir in einem schönen Familiären Hotel und schauten uns am nächsten Tag die Ruinen von Chan Chan an, der größten Lehmstadt Südamerikas, in der vor Jahren bereits 80 000 Menschen auf einer Fläche von 20 Quadratkilometer lebten. Zu einer Zeit (Blütezeit war das 13 Jahrhundert), in der Deutschland kulturell eher unterentwickelt war.

Verwitterung Chan Chans

Die Anlage ist leider schon stark verwittert und an vielen Stellen kann man nur erahnen, dass dort wo heute Lehmhügel zu sehen sind früher Gebäudekomplexe standen. Ein Kernbereich wird mit Dächern und Restaurierungsmassnahmen geschützt. Hier sind eindrucksvolle Fresken mit Bezug auf die Wichtigkeit von Wasser und Fruchtbarkeit der Chimu, also dem Volk welches hier lebte. Auch schauten wir uns die Huaca de la Luna an. Huacas sind Orte oder Naturbegbenheiten, denen eine sakrale Bedeutung zugemessen werden. In diesen Pre-Incastätten lebte das Volk der Chumin, die schöne Wandmalerein anfertigten und kulturell und handwerklich schon weit entwickelt waren. Ausserdem konnte ich mir in Huanchaco, dem Küstenort ca. 4 km von Trujillo entfernt, meinen Kindheitstraum vom Surfen erfüllen. Wir nahmen Surfstunden und bekamen Surfausrüstung, dann wurden wir von den Surflehrern in die Wellen angeschoben, damit wir genug Schwung hatten um auf der Welle zu reiten. Anfangs war es noch sehr schwierig zur richtigen Zeit aufzustehen, nachher klappte es einige Male und wenn man erstmal in der Welle ist, die einen mitnimmt und es dann noch schaft aufzustehen – ja dann machts richtig Spass…

Lets go surfing

Schilfboote der Nordküste

Dann verliessen wir Trujillo, eine Stadt mit vielen kolonialen Gebäudeüberresten und fuhren per Nachtbus nach Mancora. Mancora ist eigentlich nur ein ganz kleines Dorf (bzw.Strand) ganz im Norden Perus Küste. Allerdings ist Mancora auch ein Surfertreffpunkt, an dem sich vor allem auch viele Surfer aus den USA treffen und zu Sylvester eine riesen Strandparty stattfindet zu der vor allem viele Limenos, also Einwohner Limas kommen (sehen und gesehen werden). Ausserdem haben sich in Mancora viele Aussteiger niedergelassen, die z.B. ihr Kunsthandwerk aus vielen Naturmateialien anbieten. Hier herrscht eigentlich immer gutes Wetter und das Klima ist nicht tropisch. Alles in allem ein schöner Ort um Urlaub zu machen. Und wir waren natürlich nicht die Einzigen, die zum Jahreswechsel hier Urlaub machen wollten, was die Preise natürlich in die Höhe trieben. Wir reservierten in einem Hotel vor, aber als wir um 5 Uhr morgens in Mancora ankamen versuchten wir erstmal andere Hotels abzuklappern. Schliesslich fanden wir eine schöne Bungalowanlage, die einer Freundin von unserem Mototaxifahrer gehörte. Allerdings konnten wir in dieser schoenen Anlage nur 2 Nächte bleiben, da über Sylvester schon alles ausgebucht war. Wir nahmen wieder Surfunterricht und genossen die Atmosphäre des Ortes.

Feuerkünstler in Mancora

Über Sylvester selber schliefen wir in einer sehr einfachen (…) Unterkunft, dessen Besitzer sich nach unseren Berechnungen eine goldene Nase verdienen musste (auch wenn er überhaupt nicht so aussah). In Mancora konnten wir amerikanisch frühstücken mit Pfannkuchen und Waffeln inklusive Meerblick und den dazugehörigen Wellen. Da wir allerdings jeden Morgen früh aufstanden um die besten Wellen mitzunehmen, wenn noch nicht so viele andere Surfer unterwegs waren, schliefen wir abends schon recht früh. Doch wenn ich mich nochmal entscheiden müsste: Zwischen morgendlichen Surfen oder abendlichen feiern würde ich mich immer wieder für die erste Option entscheiden… Zum Neujahreswechsel war der Strand schon ziemlich voll und pünktlich zum neuen Jahr gingen viele im Meer baden.

Bungalow in Mancora

Am 1.1.10 fuhren wir noch weiter in Perus Norden, nach Tumbes. Dort verbrachten wir nur eine Nacht und organisierten am nächsten Tag eine Tour in die Mangrovenwälder, die an die Landesgrenze von Ecuador grenzen. Diese Wälder sind ein Naturschutzreservat und wir besuchten eine Vogelbrutinsel sowie eine Krokodilstation der letzten Mangrovenkrokodile Perus. Mit dem Nachtbus erreichten wir am nächsten Morgen Chiclayo, wo wir einige Militärparaden und Sonntagsfeierlichkeiten und den Stolz Perus zum Sonntag miterlebten.Wir besuchten auch Sipán – vor allem dieser Ort mit seinen ungeraubten Gräbern strahlte eine Mystik aus, die den Ort umgiebt.

Parade in Chiclayo

Lange blieben wir nicht in einer wirklich schönen und angenehmen Stadt (wir schauten uns noch Sipan an, eine Grabanlage die erst vor einigen Jahren entdeckt wurde und die von den Grabräubern grösstenteils verschont geblieben ist). Sobald man jedoch die Stadt verliess waren nur noch Müll und Schuttberge zu sehen, die einfach in der Wüste abgeladen wurden – Es stank. Wir begaben uns zum Küstenort von Chiclayo, Pimentel. Dieser Ort scheint zwar ziemlich verlassen zu sein, aber an Wochenenden oder an Feiertagen ist auch dieser Strand nicht nur von den Fischern und ihren Caballitos de Totoras, kleinen Fischerbooten aus Schilf, die hier schon seit Jahrtausenden benutzt werden, bevölkert, sondern auch mit vielen Tagestouristen.

Fischer am Morgen in Pimentel

Hier machte ich allerdings während unserer Surfstunde unsanft Bekanntschaft mit einem Stachelrochen. Die höllischen Schmerzen hielten mehr als 2 Stunden an und ich wünsche sie wirklich absolut niemandem. Zuerst fühlte es sich an, als ob mir ein Angelhacken den Fuss aufgerissen hätte, danach ahnte ich bereits, dass es ein Stachelrochen gewesen sein musste, wusste aber nicht, wie gefährlich er sei. Das Gift eines Stachelrochens im Herz oder im Kopf kann wohl auch tödlich wirken. Mir wurde das Blut mit heissem Wasser aus meinem Fuss gedrückt und selbst heute, über 10 Tage danach, habe ich noch Probleme mit der Wunde, die der Rochen hinterliess. Zwar stellte ich mich am Abend noch mal wieder aufs Brett und versuchte zu surfen, doch nach den folgenden Busfahrten nach Lima und nach Pucallpa schwoll der Fuss an, weswegen wir in Lima auch noch mal einen Tag Pause einlegten und uns mit Lucie, einer anderen Freiwilligen trafen und ausserdem Patrick einen frisch angekommenen Deutschen in die peruanische Kultur einführten. In Pucallpa besuchte ich mal wieder die Krankenhäuser, doch jetzt gillt es sich noch unter der Woche zu schonen, damit ich am Wochenende auch wieder Sport treiben kann…

Saftbar...

Zimtbrot auf dem Markt

Kartoffeln und Zwiebeln

Sipán - ein besonderer Ort

Aktuell: In Pucallpa angekommen trafen wir uns mit einigen Bauern der Dörfer, mit denen wir zusammenarbeiten, reisten dort hin, und trieben die Einrichtung der Produktionsstätte weiter voran.

Quartalsbericht Henrik Hollensteiner Pucallpa

Datum: 20.12.09

Einleitung:

Nun bin ich schon fast 4 Monate in Perú, einem Land der Vielfalt, einem Land in dem nach der offiziellen Definition der Vereinten Nationen über 40 % der Menschen als arm gelten, und in dem es doch so viel Reichtum gibt. Dieser Reichtum ist nicht unbedingt materieller Art, sondern vor allen Dingen findet man ihn in Form von Biodiversität der Kulturen, der Etnien, der Tiere, der Pflanzen, der Landschaften, der Menschen vor allem im Regenwald. Nicht umsonst gibt es in Peru 84 von 117 verschiedenen Lebenszonen (Ökosystemen) auf der Welt.

Die ersten vier Monate unseres einjährigen Aufenthalts waren für mich, sowie für Moritz dem zweiten Freiwilligen des Welthauses, bzw. vom Freundeskreis Peru Amazonico hier in Pucallpa, vor allem eine Zeit des Staunens, des Lernens, des Verstehen lernens, des Entdeckens, des Vergleichens mit Deutschland, des bewusst werdens auf welchem industriellen Entwicklungsstand Deutschland sich befindet, des Bewunderns wie hier das Leben gemeistert wird, aber für mich auch der persönlichen Krankheiten und der persönlichen Sprachprobleme.

Hafentreiben in Pucallpa

Verkehr in der Regenzeit

Kurz gesagt: Viele neue Eindrücke einer anderen Denk- und Lebensweise prasselten auf uns ein und mussten erstmal verarbeitet werden. Viele kulturellen Unterschiede spielen sich dabei im Kleinen ab. Z.b die Geste, dass man herkommen soll, bedeutet in Deutschland genau das Gegenteil. Oder das Anzeigen von Zahlen: Der Daumen wird in Peru als allerletztes angezeigt – also mit der fünf.

Ob es der Machismus der peruanischen Gesellschaft ist, die grossen Unterschiede zwischen Lima und dem restlichen Land, das peruanische Zeitverständnis, die Offenheit und Neugierde uns gegenüber, bzw. die Tatsache, dass sich hier in Pucallpa jeder nach uns umdreht, um sich die Gringos näher anzuschauen, die generelle Hilfsbereitschaft, die fröhliche Mentalität, oder ob es das Essen, die Hygiene, der Fussball, der Verkehr, oder das Müllproblem ist – alles ist erstmal anders, bzw. neu. Wenn man mit Peruanern ins Gespräch kommt, denken sie zuerst man komme aus den USA, wenn sie aber hören, dass man aus Deutschland kommt, heisst es oft: Ahh aleman… Es werden die peruanischen Fussballspieler aus der Bundesliga aufgezählt, die deutschen Automarken benannt oder man wird tragischerweise mit Heil Hitler begrüsst, weil das eben das ist, was ihnen zu Deutschland einfällt. Es braucht dann einige Zeit um zu erklären, dass Hitler ein ganz dunkles Kapitel deutscher Geschichte ist.

Perus “Schatz“ und was daraus gemacht wird…

Centro de la Biodiversidad (Finca)

Tropenholz

A. Egg in Pozuzo

Wandpapier

Der Schatz der im Regenwald zu finden ist, ist vielen Peruanern noch nicht wirklich bewusst, und so sehen wir hier jeden Tag zu viele dicke Baumstämme auf grossen Sattelschleppern in Pucallpa. Jedes mal tut mir das in der Seele weh. Als Schatz bezeichne ich nicht die Ergebnisse der Ausbeutung, sondern die Biodiversität, die teilweise noch gar nicht entdeckt wurde. Der Reiz für die Baumfäller ist natürlich das schnell verdiente Geld. Den Arm des Gesetzes müssen die Baumfäller dabei nicht wirklich fürchten. Aber es sind auch oft die mangelnden Alternativen für die einfachen Baumfäller. Die Kapitaleigner der Region sind meist Holzmogule. Einen “Erfolg“ in derlei Hinsicht haben wir zuletzt mitbekommen: Einer dieser Holzmogule, der sich natürlich nicht an die Gesetzgebung gehalten hatte, wurde festgenommen. Die Region Ucayali, also die Region um Pucallpa heisst auch offiziell Region Ecológica – klar bei diesem grossen Gebiet an Regenwald. Der peruanische Regenwald wurde aber leider schon zu über 70% mittels Bohrlizenzen an internationale Öl und Gasfirmen verteilt. Und das obwohl auf den Gebieten Indigene wohnen, denen für das Land, auf denen sie schon seit Generationenen leben ein Bestimmungsrecht zugesichert wurde. Eigentlich gelten die Indigenengemeinschaften von denen sich einige bewusst von der Aussenwelt, bzw. von der westlichen Zivilisation, abschotten, als juristische Person und müssen bei entsprechenden Entscheidungen vorher gefragt werden. Deshalb hatte der Präsident Perus, Garcia, auch seine Präsidialdekrete erlassen, mit denen er selber Gesetze bzw. Bestimmun-gen erlassen konnte. Damit konnte er im Alleingang diese Rechte der Indigenen beschneiden. Daraufhin gab es große Proteste und kurz vor unserer Ankunft in Peru wurde ein solcher Massen-protest von der Polizei blutig niedergeschlagen. Aber der Druck auf die Regierung zwang den Präsidenten die Dekrete teilweise wieder zurückzunehmen. Alan Garcias Meinung ist es aber weiterhin, dass die Schätze des Regenwaldes nicht nur Indigenen gehören sollen, sondern dass der Regenwald allen Peruanern gehören würde…

Vortrag in Schule

Cocabauernstreik Tingo

Zuhörer

Informatioslücken und Nachholbedarf, aber auch die Bereitschaft der jungen Generation mehr zu lernen haben wir gerade im Zusammenhang mit dem Thema Umwelt gemacht. Es ist also eine Sensibilisierung und Information von Grund auf nötig. Deswegen denken wir, dass es wichtig ist Umweltbildung zu betreiben und die junge Generation zu erreichen. Wir dachten dabei an die Generation der 14-15 jährigen, die auch schon ein gewisses Grundwissen mitbringen. Im Moment halten wir an verschiedenen Schulen Vorträge über den Klimawandel, erneuerbare Energien und die Biodiversität von Peru. Dafür fahren wir auch zu Schulen, die außerhalb von Pucallpa liegen und wo z.B. besonders viel Müll auf dem Schulhof liegt, oder in die Bauerndörfer, wo der Bildungsgrad eindeutig niedriger ist. Aber gerade hier war das Interesse groß und die Dankbarkeit über unser Kommen war zu spüren. Oftmals war unklar wieviel die Schüler über den Klimawandel wussten, doch es fanden sich in jeder Schule Interessierte Schüler und Schülerinnen. Ich denke, es ist ein Prozess der Sensibilisierung, der noch dauern wird. Außerdem möchten wir unsere Vorträge mit möglichen Folgeprojekten wie Müllrecycling nachhaltig gestalten und bieten das den Schulen an.

Zeitlicher Ablauf unseres bisherigen Aufenthaltes:

Nach der Akklimatisierungszeit im August beschäftigten wir uns im September mit unseren Vorträgen an Schulen. Die Themen Klimawandel und Erneuerbare Energien, sowie Biolebensmittel in Deutschland wurden von uns erarbeitet und an den Schulen vorgetragen. Außerdem führte uns Raul, unser „Chef“ in die örtlichen Begebenheiten ein und wir lernten viele Menschen kennen. Wir besuchten Felipe Pinglo, ein Dorf weiterer Freiwiliger, das sehr abgelegen liegt und wo ich leider krank wurde und sehr glücklich war, als ich wieder in der “Zivilisation“ war. Wir stellten uns den Campesinos Jovenes, mit dem wir zusammenarbeiten, vor und bereiteten unsere Vorträge vor.

Im Oktober erfuhren wir viel über die Projekte der anderen Freiwilligen des Welthauses Bielefeld. Insgesamt befinden sich 31 Freiwillige des Welthauses für 1 Jahr in Peru. 12 davon arbeiten in Projekten in der Selva, also dem Regenwald. Da die Aufgaben der Selva-Freiwilligen vor allem darin bestehen die Bauern aus den Dörfern zu unterstützen, organisierten andere Selva-Freiwillige aus Tingo Maria und Pozuzo ein Treffen für die delegierten Bauern aus den Dörfern rund um Tingo

Maria. Das Treffen fand bei Augustin Egg in Pozuzo statt, wo eine Freiwillige des Welthauses in einem Projekt eingebunden ist. Augustin Egg ist verwandt mit dem derzeitigen Umweltminister Perus, hat tiroler Vorfahren und betreibt auf seiner Finca einmal Viehwirtschaft, womit er etwas Geld verdient. Aber vor allem ist er Experte im Anbau und Aufforstung von Wald und hat auch schon Bücher über die Tier und Pfanzenwelt geschrieben. Pozuzo ist ein Ort mitten im Regenwald der Andenosthänge in dem vor mehr als 150 Jahren Menschen aus Tirol und dem Rheinland hierher auswanderten. Der Ort besitzt viele Alpenhäuser, die alten Menschen sprechen noch deutsch und man sieht viele Menschen mit relativ heller Haut, mit blauen Augen und relativ großer Statur. Es werden auch wieder die alten Traditionen und Bräuche gepflegt. Augustin Egg erklärte den Bauern und uns Selvafreiwilligen, die alle an diesem Treffen teilnahmen, viel Wissenswertes und Interessantes über Anbau, Kultivierung und den Eigenarten von bestimmten Bäumen und den Wechselwirkungen mit ihrer Umwelt. Dass die Bauern an dem Treffen teilnahmen war möglich, weil die Kosten von Ecoselva getragen wurden. Es herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre und die Energie dieses Treffens, sich gemeinsam gegen die Abholzung des Regenwaldes zu stemmen, mündete in der Gründung der Organisation „ Movimiento Campesinos Reconstructores del bosque y fauna“ Also Bauernbewegung für Reforenstation von Wald und Pflanzen…

Außerdem wurde ein Marsch durch die Dörfer vereinbart, auf dem über das Projekt “cero deforestation“ und Wiederaufforstung informiert werden sollte. Nach Pozuzo besuchten wir noch gemeinsam Nagazu, wo auch 2 Freiwillige von uns arbeiten und schauten uns dort eine Öko-kaffeeplantage an, da einige Bauern auch Interesse an Kaffeeanbau haben. Auch sprachen Raul, unser Chef hier in Pucallpa, sowie Moritz und ich noch mit dem Verantwortlichen des Ecoselvabüros in La Merced über das Bildungskonzept und die Ausbildung von Kaffeebauern auf der eigens dafür gegründeten Schule. Danach machten wir uns gemeinsam mit Raul auf nach Ayacucho, um dort an einem Bauernkongress teilzunehmen. Bei diesem Kongress wurde der Klimawandel im Zusammenhang mit der Agrolandwirtschaft diskutiert und über Lösungsansätze informiert. Der Kongress war zwar sehr interessant mit vielen Professoren, die viel Ahnung vom Thema hatten, es wurden viele interessante Themen angesprochen, allerdings bestand er nur aus Vorträgen und es war nicht die Energie des Treffens der Bauern in Pozuzo zu spüren. Partizipation, bzw. die Möglichkeit dazu wurde leider etwas vernachlässigt. Nach Ayacucho wollten Moritz und ich eine Woche Urlaub nehmen und nach Bolivien reisen, allerdings verschlechterte sich mein Gesundheitszustand zusehens bis ich nicht mehr reisefähig war und in Cusco im Krankenhaus wurde dann Typhus diagnostiziert. Zum Glück gab es eine deutschsprachige Ärztin und der Standard des Krankenhauses war hoch. Nach dreieinhalb Tagen im Krankenhaus in Cusco ging es mir wieder besser und ich wurde entlassen. Ich verblieb noch einige Tage in Cusco und schaute mir auch noch Machu Picchu an. Danach stellten Moritz und ich noch Nachforschungen zum Sacha Inchi-Projekt in Lima an. In Zusammenarbeit mit einer Jungbauernorganisation einiger Dörfer rund um Pucallpa soll aus der Sacha Inchi-Nuss, einer wiederentdeckten Schlingpflanze aus dem Regenwald, die sie anbauen, Öl gewonnen werden. Unsere Freiwilligen-Vorgänger initiierten das Projekt mit und bestellten eine Maschine aus Deutschland um Öl zu pressen. Wir stellten Nachforschungen an, wie wir die Maschine aus dem Zoll bekommen. Dies stellte sich bei der Abholung der Maschine als ein Akt des Geduldens über 3 Tage und des Ganges von Pontius zu Pilatus plus erhöhten Kosten als ursprünglich im Projekt dafür vorgesehen waren, heraus. Außerdem besuchten wir noch eine Firma, die schon Sacha Inchi-Öl herstellt. In Lima wohnten wir bei anderen Freiwilligen, de die Entwicklung von Dörfern in der Sierra, also im Gebirge, fördern. Da uns das Projekt sehr gut gefiel besuchten wir auf dem Rückweg nach Pucallpa noch die Aussenstelle des Projektes (ADECAP) in Huancayo. Dort wurden wir eingeladen einen Tag eine Rundtour durch die Umgebung von Huancayo zu unternehmen, dabei lernten wir viel über die Kultur und das Land kennen, sowie die Landschaft schätzen, da auch gerade Allerheiligen war und dieser Tag der Toten besonders zelebriert wird ( z.B. mit Festen auf und um den Friedhof herum)

Dorfgemeinde Raimondi

Gasteltern und Wir

Radiointerview

Ankunft der Ölpresse

Als wir anfang November zurück nach Pucallpa kamen, bereiteten wir weiter die Abholung der Maschine vor. Bei diesem Projekt gibt es auch Infrastrukturell noch einiges zu regeln. Auch trafen wir uns mit kanadischen Freiwilligen die ein Recyclingprojekt in einem Dorf nahe Pucallpa betreiben. Wir hielten noch einige Vorträge an Schulen, und als die Ölmaschine endlich am 9.11. in Lima ankam, machten wir uns wenig später mit Raul und einem Bauern aus einem Dorf auf nach Lima, um die Maschine abzuholen. Allerdings hätten wir uns wohl alle nicht träumen lassen, dass es 3Tage, mit unendlich vielen Taxifahrten durch halb Lima von A nach B viele viele Gespräche, noch viel mehr Geld als gedacht und vor allem unendlich viel Geduld erfordern würde, die Maschine endlich zur Transportfirma zu bringen, die die Maschine dann nach Pucallpa bringen sollte. Es wurde deutlich, dass noch viel Arbeit und Geld in das Projekt gesteckt werden muss. Was aber auch bei den Besuchen und Gesprächen mit den Bauern in den Dörfern deutlich wurde, ist dass zwar einerseits Grundkapital fehlt, andererseits den Bauern das produzieren von Öl der Sacha-Inchi Nuss aber nachhaltig die Existenzgrundlage der Bauern sichern würde, und somit die Landflucht gerade der Jungbauern gestoppt werden könnte. Zum Beispiel kosten 250 ml Sacha Inchi Öl im Laden 25 Soles, was umgerechnet ca. 6 Euro sind. Für 1 kg Sacha Inchi Nüsse als Rohprodukt bekommen die Bauern aber nur 3-4 Soles, also etwa 1 Euro. Man braucht ca. 5 Kg Sacha Inchi Nüsse, um 1 Liter Öl herzustellen. 1 Liter wären im Verkaufspreis des fertigen Produktes etwa 100 Soles, also 25 Euro. Für 5 kg Nüsse erhalten die Bauern aber nur weniger als 20 Soles. Zwar muss man noch die Kosten für Vermarktung, Instandhaltung der Maschine, Kosten für Flaschen und Etiketten abziehen, doch langfristig könnten die Bauern mit dem Produkt Öl mindestens den doppelten Preis für die gleiche Menge an Nüssen erzielen. Zudem ist der Sacha Inchi Anbau eine Form der ökölogischen Landwirtschaft und somit der nachhaltigen und umweltschonenden Entwicklung. Ende November und Anfang Dezember hielten wir auch noch einige Vorträge über den Klimawandel und erneuerbare Energien. Insgesamt haben wir damit bisher 10 Vorträge gehalten und es sind noch weitere geplant. Allerdings gibt es in Peru bald Schulferien die über 2 Monate andauern.

Geplante Projekte und Vorhaben für die nächsten Monate:

Nachdem wir in den letzten Monaten viele Projekte besucht und uns angeschaut haben, Möglichkeiten kennengelernt haben geht es nun darum, welche zusätzliche Projekte wir zu dem Sacha Inchi Projekt umsetzen können. Wir wollen an weitere Schulen gehen und unsere Vorträge halten. Außerdem wollen wir anbieten mit einigen Schulen enger zusammenarbeiten und Projekte wie Recycling, Reforestacion oder Biogärten anbieten.Mit 2 Schulen stehen wir dabei in engerem Kontakt, mit denen wir als Modellprojekt arbeiten könnten. Außerdem haben wir schon unser Spektrum der Themen erweitert und bieten z.B. Instanzen der Handels und Finanzakteure, Ökolandbau, Recycling oder Biopiarterie an. Wir möchten auch die Möglichkeiten der erneuerbaren Energien anschaulich darstellen und planen dazu Vorführprojekte. Dafür haben wir aus Deutschland z.B. Solarmodule geschickt bekommen, mit denen wir die Sonnenenergie demonstrieren wollen. Auch sieht man hier, gerade in der Selva Peruaner die ihren Müll an Ort und Stelle auf die Strasse werfen. Nirgends findet man Mülleimer. An manchen Stellen, wie z.B. auf dem Obstmarkt geht man über dicke Abfallschichten und dementsprechend stark ist auch der Gestank. Gerade vor diesem Hintergrund wollen wir versuchen zukünftig zusammen mit weiteren Freiwilligen aus Deutschland, die der DED geschickt hat und die in einem Projekt Ciudad Saludable arbeiten, also für die Gesundheit der Bevölkerung und eben gegen das Müllproblem. In einem Indianderdorf in der Umgebung von Pucallpa haben wir das Projekt von der gleichen Organisation besucht und zwei Kanadier zeigten uns die Komposthaufen und den vielen Müll, den sie im Dorf gesammelt hatten. überall im Dorf sind Mülleimer aufgestellt und der Spruch, dass Sauberkeit Gesundheit bedeutet ist das Motto. Auch sehr verbreitet ist, dass der Müll des Tages oder der letzten Tage einfach auf der Strasse oder auf dem eigenen Gelände abends verbrannt wird. (überhaupt nicht klimaschonend)

Milvajo

Baum mit Dornen

Blume der Finca

Zu guter Letzt bleibt natürlich noch die Aufgabe das Sacha Inchi Projekt weiter voranzutreiben und beim Ausbau und der Pflege der Finca von Raul, dem Zentrum der Biodiversidad zu helfen. Hier demonstriet Raul alternative Anbauweisen und die Zusammenhänge in Mischkulturen werden deutlich. Nachdem wir auch schon beim Bau einer Cocina Mejorada geholfen haben wollen wir dort weitere Projekte ausprobieren, wie z.B. ein Fruchttrockner aus Glas oder Plastik – alle diese Projekte sind so angelegt, dass die Bauern aus den Dörfern diese auch einfach nachbauen können. Auch möchten wir hier in Pucallpa mehr Kontakte mit anderen Organisationen knüpfen, was im Grunde nicht schwierig ist, da es viele ähnliche Organisationen gibt, die sich um die Entwicklung und den Umweltschutz kümmern, allerdings wurschtelt jede Organisation so vor sich hin und das Interesse an Netzwerken ist relativ gering, was auch gestern auf eine Regionalkonferenz über mögliche Projekte im nächsten Jahr deutlich wurde. Und natürlich bleibt noch das tägliche Leben, zumal der Schwabe und der Lipper jetzt sparen wollen, da sie anfangs über ihren Verhältnissen gelebt haben. Ausserdem wollen wir mehr selber kochen, vor allem weil mein Körper gerade am Anfang der Zeit das Essen nicht vertrug und ich oft krank war. (Erkältung,Typhus,Fieber,Durchfall)

Zum Schluss möchte ich mich vor allem bei meinen Förderen, sowie bei dem Verein Peru Amazonico und dem Welthaus bedanken, ohne die dieser Aufenthalte hier nicht möglich wäre.

Über Rückmeldungen und Anregungen würde ich mich sehr freuen. (z.B bei Unklarheiten)

Dieser erste Bericht hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Er soll vielmehr einen Eindruck der Kulturunterschiede, der Gedanken, die mich hier beschäftigen und der Gesamtsituation geben.

Ausserdem gibt es einen Blog (der von Zeit zu Zeit aktualisiert wird) von mir, auf dem ausführlichere Beschreibungen und auch einige Fotos zu sehen sind: www.pureperu.wordpress.com

Ich wünsche allen in Deutschland gut durch den Winter zu kommen und frohe Weihnachten!

Möglichst bald werde ich über die Neuerungen hier aus Pucallpa berichten. Bis dahin viele Grüße

Henrik Hollensteiner

Oktoberreise

Oktoberreise

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Busfahrt durch die Anden

Diese Reise von Anfang Oktober bis Anfang November war auf jeden Fall beeindruckend. Wir haben dabei arbeitstechnische Angelegenheiten an verschiedenen Orten mit einer Woche Urlaub verbunden. Ich würde fast sagen, dass sie sogar nötig war. Aufgrund unserer Reise durch halb Peru haben wir nicht nur Land und Leute kennengelernt, wir haben auch Land und Leute verstehen gelernt.(zumindest ist unser Verständnis für Peru gewachsen) Und vor allem haben wir es schätzen gelernt: diese Vielfalt (Menschen, Städte, Landschaften (Peru beherbergt nicht umsonst über 90 Klimazonen von 104 die es auf der Welt gibt)), diese Kultur, diese Ursprünglichkeit, diese Natürlichkeit, diese Gastfreundschaft, diese Fröhlichkeit, diese Geschichte, aber auch diese Gegensätze von z.b. Lima und dem Rest Perus und die elenden Auswirkungen des Tourismus.

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Wilde Berglandschaft bei Pozuzo

Kurz: Diese Einzigartigkeit. Nach einer solchen Reise hat man Lust auf: Mehr reisen!

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Vieh und Felderwirtschaft bei Huancayo

Man hat Lust darauf Orte zu sehen, die man noch nicht kennt, von denen man aber gehört hat, dass sie schön sein sollen. Der Horizont erweitert sich und man hört auch von mehr und mehr Sehenswürdigkeiten oder Orten die man noch bereisen sollte… Nur was das bedauerliche am Reisen ist: Hinterher hat man weniger Urlaub, kennt aber mehr Orte, die man noch besuchen möchte.

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Ayacucho

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In Ayacucho

Obwohl wir uns ja nur eine Woche Urlaub nehmen mussten, da die ersten beiden Wochen Arbeit mit Bauern waren bzw. ein Agrobiodiversidadkongress gegen den cambio climatico in Ayacucho war.

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Auf dem Plaza de Armas in Ayacucho mit Raul und Moritz

Die letzte Woche haben wir dann noch organisatorische Dinge in Lima erledigt, die unser momentanes konkretes Projekt betrafen. Dabei geht es darum zusammen mit den Bauern der Umgebung von Pucallpa eine bestimmte Nuss, die Sacha Inchi-Nuss zu Öl zu verarbeiten und dieses dann zu verkaufen, damit die Bauern eine sichere und faire Einkommensquelle haben.

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Der Moritz und der Henrik

Ich möchte auch gar nicht grossartig schreiben wo wir waren und was wir dann dort alles so gemacht haben.(Wer vor hat nach Peru zu reisen kann mich deswegen gerne genauer befragen)

Nur soviel: Ja, ich habe Machu Picchu gesehen und würde wieder gerne dorthin zurückkehren, weil es dort noch viel zu sehen gibt (am liebsten wandernd)

Aber Peru ist nicht nur Machu Picchu. Peru ist auch nicht nur die typische Touristenroute über Lima, Cusco, Puno, Arequipa, Nasca und Lima. Cusco z.B. ist ein schöne Stadt, die viel zu bieten hat.

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In der naeheren Umgebung gibt es viele Prä-bzw. Inkastaetten. Cusco war bestimmt noch viel schöner bevor die Spanier kamen, doch auch heute ist die alte Kultur zu spüren.

Cusco ist aber auch eine Stadt, die mich fürchterlich aufgeregt hat, weil hier alles auf den Tourismus zugeschnitten ist und du als Gringo nicht durch die Stadt laufen kannst, ohne dass dir gleich 10 Leute irgendwas verkaufen wollen oder dir kleine Kinder die Schuhe putzen wollen/müssen. Niemand kann man wirklich trauen, was sonst in Peru eigentlich nicht unbedingt so ist.

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Cusco - convento santo domingo (unsere Herberge) - auf Inkamauern gebaut

Und ja: Von Cusco nach Machu Picchu zu reisen ist teuer – die Preise bewegen sich auf europäischem Niveau, in Pucallpa z.B. bekommt man an jeder Strassenecke einen frisch gepressten Orangensaft für 25 cent – die Preise sind also viel billiger als in Cusco.

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Essen in Tingo Maria

Kurzer Ueberblick über unsere Reise:

Angefangen hat unsere Busfahrt mit einer neuerlichen Busfahrt nach Tingo Maria, wo einige andere Freiwillige, die vom Welthaus Bielefeld entsendet wurden ihren Projektplatz haben. Dort besuchten wir eine Fortbildung über Biodünger, die sehr interessant war. In Tingo Maria erlebten wir dann auch einen Streik der Coca-Bauern. Auch hier wurde uns die Vielschichtigkeit dieses Landes bewusst, bei der es meist keine schnellen einfachen Lösungen zu den einzelnen Problemen gibt. Die Coca-Bauern protestierten dagegen, dass ihre Felder, und damit ihre Existenzgrundlage vernichtet werden.

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Biodüngerlehrgang

Der Anbau von Coca ist offiziell verboten (hier in Pucallpa wohnen wir z.B. neben der Drogenpolizei von Peru), ist aber alte Tradition und in einigen Gebieten weit verbreitet. Seit jeher und nicht erst für die Inkas ist die Coca-pflanze eine magische Heilpflanze. Durch das Legen von Cocablättern wurde z.b. die Zukunft vorrausgesagt und auch heute noch werden die Cocablätter gekaut oder als Tee gegen die Höhenkrankheit zu sich genommen. Auch das Ausland, das den eigenen Kokainkonsum eindämmen will, stellt Mittel für die Cocabekämpfung in Peru zur Verfügung. Dabei ist Kokain nur aus sehr sehr grossen Mengen an Coca-blättern zu gewinnen.

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marschierende Cocabauern in Tingo Maria

Die Ausfuhr eines Cocablattes nach Deutschland ist z.b. schon verboten.

Keiner wusste genau wie lange dieser Streik andauern würde, noch ob er friedlich bleiben würde. Er sollte ungefähr drei Tage dauern, die Polizisten in der Stadt, die enorme Präsenz zeigten, stellten sich aber teilweise auf einen längeren Aufenthalt ein. Ung. 3000 Coca-Bauern hatten den Weg in die beschauliche Stadt Tingo Maria gefunden um ihre Interessen zu vertreten. Sie demonstrierten und marschierten durch die Stadt. Die meisten Geschäfte waren mehr oder weniger geschlossen. Die örtliche Bevölkerung wollte damit Solidarität zeigen und es war teilweise schwierig etwas zu Essen zu kaufen. Es fuhren keine Autos oder Mototaxis mehr. Der Streik blieb jedoch friedlich und wir wurden auch nicht von den Coca-Bauern bedroht oder sonstiges.

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Alpenhütte in Pozuzo

So konnten wir allerdings erst etwas später nach Pozuzo reisen. Dort hatten andere Freiwillige des Welthauses Bielefeld ein Treffen für die Bauern aus der Umgebung von Tingo Maria organisiert bei dem sie auf der Finca von Augustin Egg, einem Guru im nachhaltigen Anbau und in der Wiederaufforstung, einiges lernen konnten. Pozuzo ist eine ehemalige Kolonie von Deutschen und Tirolern, die vor 150 Jahren dorthin auswanderten. Auch Augustin Egg (der Bruder vom derzeitigen Umweltminister Perus) kann noch deutsch sprechen und hat tiroler Vorfahren. Hier gibt es deutsche Häuser (und das mitten im Regenwald) und teilweise deutsche Gerichte und viele deutsche Gesichter. Hier ist es sogar sauber und es gibt Mülleimer – was selbst den Bauern aufgefallen ist.

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Augustin Egg erklärt

Ein gutes Beispiel, dafür, wie sich die Einwanderer aus Europa an die örtlichen Begebenheiten mitten im Urwald anpassten ist z.B. der Strucki – ein typisches Gebäck aus Pozuzo: Ein Apfelstrudel in dem anstatt Äpfel, die man hier im Urwald nicht vorfand einfach Bananen verarbeitet wurden. – sehr lecker! Auch hier in Pozuzo mit den Bauern musste der Fussball nicht grossartig beweisen, dass er das beste Mittel zur Völkerverständigung ist…

Das Treffen war beeindruckend, wie viel Energie, Wissensdurst, Freundschaftlichkeit und Motivation vorherrschte. Es wurde auch gleich ein Name für eine Organisation gefunden und weitere Projekte besprochen (Movimiento de los campecinos de la reforestacion de los bosques, la flora y fauna). Allerdings wird es wohl schwierig werden alle wieder zusammen zu bringen: Es waren immerhin alle 12 Freiwilligen der Selva und 15 Bauern anwesend. Was auch sehr angenehm war: manche Bauern hatten Familie und Kinder mitgebracht. Es war also eine sehr familiäre Atmosphäre und man konnte so auch viel voneinander lernen. Mitte November starten einige Freiwillige eine Wanderung durch die Dörfer um das Projekt der Cero Deforestacion vorzustellen.

An Umweltschutz muss immer wieder erinnert werden

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Kaffeeplantage bei La Merced

Wir schauten uns noch eine Kaffeeplantage bei La Merced, was auch sehr aufschlussreich war und liefen in La Merced zufällig an einer Orangenfabrik vorbei, wo wir gleich eingeladen wurden und uns die Fabrik erklärt wurde. In La Merced besuchten das Büro eines Vereins einer unserer Entsendeorganisationen Ecoselva und liessen uns das Umweltbildungskonzept erklären. Der Verein betreut extra Schulen in denen junge Menschen die Praktiken der Landwirtschaft erlernen, aber auch Grundkenntnisse in allgemeiner Bildung erhalten. Danach reisten wir mit Raul per Bus über Lima nach Ayacucho zum Bauernkongress.

Der Kongress, zu dem unser Chef Raul eingeladen wurde, war ehrlich gesagt nicht ganz so interessant: Kurz gefasst Muchas Palabras, pero no Movimiento! Und eigentlich hätten wir als Extranjeros besonders viel Geld bezahlen sollen – was wir aber nicht taten, sondern uns so zu den Zuschauern gesellten.

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einige von fast 3000 verschiedenen Sorten Kartoffeln

Es waren ausschliesslich Vorträge, die sich ähnelten und sehr schnell vorgetragen wurden. Ausserdem ging es mir nicht besonders gut, und so bekam ich nur wenig von den Vorträgen mit.

Die Stadt Ayacucho an sich hat mir sehr gut gefallen. Sie gilt als die Stadt der Kirchen und hat einen schönen Plaza de Armas. Wir waren Stammgäste im örtlichen Markt, wo man alles kaufen konnte, von Obst über Gemüse, Alpackaprodukte oder skurile Heilmittel. Wir besuchten auch das Museum des Internen Krieges, der während der 80iger und 90iger Jahren in Peru tobte und bei dem Tausende Menschen starben. Damals wurde der Sendero Luminoso gegründet, der nach maoistischem Vorbild die arme Bergbevölkerung von den erniedrigenden Bedingungen der Staatsmacht zu befreien.

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Museeum über den Internen Krieg

Ziemlich schnell wurde dieses Vorhaben aber zum sinnlosen Gemetzel bei dem Senderos und Militär vor allem die unschuldigen bauern töteten, die zwischen beiden Seiten standen. Heute betätigt sich der Sendero Luminoso hauptsächlich im Beschützen des Coca bzw. Drogengeschäfts.

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Allerdings ging es mir schon in Ayacucho nicht so gut und nachdem wir bei der Abreise den ganzen Tag im Bus fuhren, wurde mein Zustand immer schlimmer. Eigentlich wollten wir über 24 Stunden nach La Paz über Cusco durchfahren, was aber mein Gesundheitszustand nicht erlaubte. So legten wir einen Zwischenstopp in Andahuaylas ein. Die Fahrt dorthin war atemberaubend: Ueber die Berge, auf einer schmalen staubigen Piste mit absolut urspruenglichen aber auch armen Doerfern am Wegesrand. Die Ausblicke in die Taeler und die Natur wie z.B. die Kakteenwaelder oder die teils Schroffen Taeler und die teils sehr hohen gemaessigten Gebirgszuege mit alten Inkaterassen waren schon beeindruckend.

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La Oroya - Bergbaustadt und Todeszone für die Menschen

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Unterwegs in den Anden

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Unterwegs in die Sierra

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Unterwegs in Peru

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Kirche in Ayacucho

Der Bus fuhr schnell, sehr schnell. Vor einer nichteinsehbaren Kurve betätigte der Busfahrer nur kurz die Hupe und gab gas. Die Landschaft war grandios…

In Andahuaylas verschlechterte sich mein Zustand und als wir uns dann doch nach Cusco aufmachten ging es mir bei meiner Ankunft dort so schlecht, dass ich nicht gleich weiter nach Bolivien fahren konnte. Stattdessen suchten wir am nächsten Morgen eine deutsche Ärztin in einem Krankenhaus auf. Sie diagnostizierte Typhus bei mir und wollte mich auch gleich dabehalten. Anscheinend waren solche Erkrankungen von Touristen keine Seltenheit, und der Impfschutz sei wohl schon lange nicht mehr sicher. Jedenfalls versicherte sie mir, dass Durchfallerkrankungen aufgrund der mangelnden Hygiene beim Essen in Peru keine Seltenheit wäre. Mit uns war an diesem Tag auch eine andere Deutsche aus Münster ins Krankenhaus gekommen. Auch sie hatte Typhus, konnte aber nach Hause gehen, weil es bei ihr nicht so schlimm war.

Nach 3 ½ Tagen und nach einer weiteren Untersuchung ging es mir dann besser und ich konnte mir Cusco anschauen: Zu viele Touristen-auf jeden Fall aber Machu Picchu wollte auch ich mir dann anschauen. Was auch auffällig war: Alle Einheimischen reden Gringos auf Englisch an. Wenn sie dann merken, dass ihr Gegenüber etwas Spanisch kann und sich mit ihnen auf spanisch unterhalten will, sind sie ganz überrascht, weil viele Touristen einfach kein spanisch können und sich darum anscheinend auch nicht scheren.

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Inkamauern in Cusco

In Cusco sind noch viele Zeugnisse der Inkas zu sehen. Viele Gebäude der Spanier wurden einfach auf die Grundmauern der Inka-Gebaeude errichtet. Teilweise waren die Inkahinterlassenschaften auch zu stabil, dass sie einfach zerstört werden konnten. Peru ist ein Erdbeebengebiet. Hier gibt es öfter mal Beeben. Viele Kolonialgebäude mussten wieder aufgebaut werden, die Inkamauern hielten immer stand. Bis heute. In Cusco kann man auch sehr gut Alpakaware einkaufen…

Eine Biketour musste ich leider ausschlagen, weil es mein Gesundheitszustand noch nicht erlaubte.

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typische Tür in Machu Picchu

Aber Machu Picchu war natürlich aussergewöhnlich, aber ein halber Tag, den ich dort oben verbringen konnte, war zu wenig Zeit.Vor allem Der Blick auf die Berge und Täler rund um Machu Picchu sind selbstredend ziemlich aufregend. Aufregend sind leider auch die ganzen Touristengruppen mit ihren Guides, von denen ich aber auch hier und da fast zwangsläufig etwas aufschnappte. Nur eben in anderer Form aufregend. Aber was solls. Jeder will einmal Machu Picchu sehen. Ich kann es keinem Verdenken. Nur muss man doch wenigstens ein kleines bisschen Feingefühl für fremde Kulturen haben und nicht als exlusive Dame mit einem Mainz-Trikot, einem Mainzschal am Handgelek und einer Mainzcappie da oben rumstolzieren und einfach dort überhaupt nicht hinpassen…. Oder?

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Mausoleum

Moritz fuhr noch weiter nach Lima um eine Freundin dort zu besuchen und wir trafen uns dann in Lima wieder. In Lima besuchten wir noch andere Freiwillige des Welthauses Bielefeld die in der Sierra (Gebirge) von Peru leben und arbeiten, aber auch immer wieder nach Lima kommen, um dort organisatorische Dinge zu klären. Das Projekt heisst ADECAP und ist sehr gut organisiert. Es wird mit besonders armen Sierrabewohnern gearbeitet, wo es schon an den grundlegenden Sachen mangelt, wie einem halbwegs hygienischen Klo oder einer Küche, deren Abgase aus dem Haus geleitet werden.

So wenig mir Lima bei unser Ankunft in Peru gefiel, so sehr schätze ich jetzt ihre Vielfalt und ihr Angebot. An jeder dritten Ecke gibt es hier einen riesen Supermarkt, die man in Pucallpa vergeblich sucht. Das hat natürlich Vor und Nachteile. In Lima trafen wir auch andere Selva-Freiwillige, die über das Projekt Cero Deforestation berichteten und über eine Wanderung nach Pozuzo. Sie hielten einen offiziellen Vortrag in einem club de alemania, in dem es deutsches Essen und deutsche Veranstaltungen gibt. Es war schön einiges zusammen unternehmen zu können und wir gingen ins Kino, kochten, frühstückten ausgiebig oder gingen abends aus.

Nach unserem Limaaufenthalt, wo wir auch bei einer sehr netten bekannten Familie von einer Freiwilligen übernachten konnten, (die in einem absoluten Reichenviertel Limas wohnen) besuchten wir dann noch die Zentralstelle von diesem Verein:ADECAP ( Asociacion de Desarollo de las Communidades Andinas del Peru) in Huancayo. Der 1. November wird hier besonders gefeiert. Die Gräber werden geschmückt und es werden die Leibspeisen der Toten zubereitet, die dann später bei einem grossen Fest gemeinsam geteilt werden. Am 2.11. ist dann der ganze Friedhof voll und es wird Musik gespielt und Essensstände und mehr vor dem Friedhof aufgebaut. Wir unternahmen auch eine Tagesrundreise um Huancayo herum zusammen mit dem Chef von ADECAP. Wir besuchten eine Alpakaproduktionstätte, einen Aussichtspunkt 2 Friedhöfe und vor allem besuchten wir eine Frau aus einem Dorf der Umgebung, die auf einem Tisch alle Gaben des Dorfes für die Toten gesammelt hatte und uns bereitwillig viele Fragen beantwortete. Später überraschte uns wieder diese Gastfreundschaft als wir alle (7 Freiwillige+der Chef von ADECAP) dort zum Essen eingeladen wurden. Die Landschaft war einfach genial, viele Adobetonmauern und Häuser.

Einfach auf der Ladefläche des Pickups sitzen und dem aufwirbelnden Staub nachschauen-Genial!

Auf der Rückreise von Huancayo konnte uns auch die obligatorische Panne des Busses nicht grossartig beeindrucken.

Zusammenfassend absolut eine schöne Reise, deren Zeitpunkt auch gut war. Die meisten Freiwilligen reisen erst am Ende ihres Jahres. Ich bin froh zu diesem Zeitpunkt die Reise gemacht zu haben, weil ich jetzt einiges mit anderen Augen sehe.

Außerdem haben wir Eindrücke von anderen Projekten bekommen, Möglichkeiten erfahren und haben jetzt Tatendrang für unser eigenes Projekt.

WEITERE FOTOS UND TEXT FOLGT!!!

Vortraege ueber den Klimawandel und erneuerbare Energien

Vortraege ueber den Klimawandel und erneuerbare Energien

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Redner und Lehrer

Bevor wir uns auf unsere Oktoberreise aufmachten hielten wir noch die komplette Woche Vortraege ueber die Ursachen und Folgen des Klimawandels, sowie ueber erneuerbare Energien und Bio-Lebensmittel in Deutschland. Mein Part war dabei die Vortraege ueber erneuerbare Energien und Biolebensmittel in Deutschland. Raul, unser Chef war nicht immer dabei, aber sein Thema war im allgemeinen Biodiversidad, was er dann auch nach belieben ausschmueckte um seinen Zuhoerern zu verdeutlichen welcher Schatz sich im peruanischen Regenwald verbirgt, aber auch welcher Schatz sich an kulturellem Wissen der verschiedenen indigenen Voelker noch in Peru verbirgt.

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Moritz beim Vortrag

Mir fiel es natuerlich sehr schwer auf spanisch die Vortraege zu halten. Frei konnte ich die Vortraege nicht halten, sondern ich brauchte den Computer, um meinen Powerpointvortrag auch entsprechend kommentieren zu koennen. Am Ende der Woche klappte es aber bei uns beiden immer besser und wir wissen jetzt schon viele andere Themen, ueber die wir noch gerne referieren wuerden.

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Vortrag ueber erneuerbare Energien in Deutschland

Natuerlich waren nicht immer alle Schueler und Schuelerinnen aufmerksam, aber ich denke, allein unsere Anwesenheit in Verbindung mit unserem Thema hat schon einen grossen Eindruck gemacht und bleibt auch im Gedaechtnis, da wir in jeder Schule mit grossen Augen ob des ungewoenlichen Besuchs angeschaut wurden. Bei jedem Vortrag gab es auch Schueler die hinterher Fragen stellten und sehr interessiert waren. Was uns auch klar wurde: Unsere Massstaebe und unsere Erfahrungen lassen sich in Peru nur schwer heranziehen. In einem Land, in dem Jeder unachtsam seinen Muell auf die Strasse schmeisst und in dem das westliche Ressourcenverschwenderische und auf Ausbeutung beruhende Lebensmodell als Vorbild gillt ist es schwierig Nachhaltigkeit zu vermitteln.

 

Mit einigen Schulen stehen wir noch in Kontakt, mit einer Schule moechten wir weitere Projekte planen. Die Schulleiterin hat uns mit offenen Armen empfangen und ist selber sehr interessiert. Einen Tag nach unserem Vortrag haben wir die Schule bei der Landesaustellung der besten Umwelt und Heil-Produkte auf dem Plaza de Armas in Pucallpa wiedergesehen. Sie hatten ein Modell fuer den Klimawandel erstellt und wurden auch gleich von einem Journalisten interviewt, der sich ueber die betriebene Politik der Regierung Perus sehr aufregte.

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Schüler, Lehrer, und Redner

Es bleiben noch so viele Themen: WTO, IWF, Weltbank, aber vor allem moechten wir verdeutlichen wie in Deutschland recycled und Muell verwertet wird. Wer mir hierzu Fotos zukommen lassen kann – ueber alle Vorgaenge in Deutschland, die etwas mit Muellvermeidung und Muellverwertung zu tuen haben, und wenn es die Papiertuete auf dem Wochenmarkt ist – ich waere sehr dankbar!

 

Teilweise war uns aber noch nicht klar, wie viel Wissen wirklich schon vorhanden war/ist oder ob nur einige Schueler die sich eh fuer das Thema interessieren etwas mehr Ahnung haben, als ihre Mitschueler. Es war auf jeden Fall eine sinnvolle Geschichte, der noch einige Vortraege an Schulen fuer 14-16-jaehrige folgen koennten… Wer noch Materialien fuer die Auswirkungen des Klimawandels auf den Amazonas hat, oder Internetseiten kennt – koennten wir sehr gut gebrauchen

 

Centro de la biodiversidad

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Ein Herzliches Hallo an alle in Deutschland! Mittlerweile sind Moritz und ich von unserer 4 Wochen dauernden Reise durch halb Peru wieder zurueckgekehrt. Unsere Reise verlief ab Pucallpa, ueber Tingo Maria, Pozzuzo, La Merced, Lima, Ayacucho, Andahuailas, Cusco, Lima, Huancayo und wieder zurueck nach Pucallpa. Natuerlich haben wir unheimlich viel gesehen und neues erlebt. Insgesamt sassen wir auch umgerechnet ueber 5 Tage in Bussen um von einem Ort zum naechsten zu kommen. Aber bevor ich von den Erlebnissen dieser Reise berichte, moechte ich erst noch 2 Berichte ueber das Centro de la Biodiversidad und von unseren Vortraegen ueber den Klimawandel in verschiedenen Schulen hier in Pucallpa berichten.

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Brandrodung auf den Nachbarfeldern

Sonntag 30.8.09

Besuch des Centro de la Biodiversidad – der Finca von Raul Eigentlich wollten wir schon um 8 Uhr los- zumindest war irgendwann mal die Rede davon. Wir, also Moritz und ich, wollten endlich die Finca von Raul, quasi unserem Chef, also dem Vorsitzenden von Fusevi, der ONG(NGO) fuer die wir arbeiten, sehen. Gegen 11 Uhr kamen wir dann endlich los. Nachdem dann auch auf der Strasse geklärt wurde, wer denn nun im Auto mitfaehrt, ich dreimal hin und hergerueckt war gings los. Die Fahrt dauerte nicht unbedingt lange (15 minuten), aber wenn Elton, der Sohn unserer Gastfamilie, wirklich mit dem Fahrrad gefahren waere, wie es sein urspruenglicher Plan war, haette das lange gedauert… Ein Neffe von Raul, Brian, war auch dabei. Als wir ankamen musste erstmal das Tor geoeffnet werden und wir luden die mitgebrachten Sachen vom Dach.

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Julio+Aguaje - typische Frucht hier in Pucallpa

Julio, der Gelaendewaerter und 2 weitere Studenten waren auch auf dem Gelaende anwesend, so dass schon vor der anstehenden Fuehrung ueber das Gelaende klar war, dass wir nachher ein Partie Fussball spielen wuerden. Auf dem Gelaende steht ein schickes Haeuschen, aus schoenem Holz gebaut, und ein schoener Unterstand, gebaut ausschliesslich aus Materialien des Regenwaldes, wie Palmwedel und Holz. Ausserdem gibt es im Eingangsbereich 2 Teiche und eine grosse Wiese mit 2 Toren vor dem Haeusschen. Ueberall wachsen Pflanzen mit Blueten und Fruechten. Ausserdem gibt es noch grosse Flaechen von verschiedenen Waldtypen mit unterschiedlichen Holzarten. Es rennen Hunde, Enten und Huehner frei herum – Fast wie im Paradies?…

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Sternfrucht

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Baum des Centro de la biodiversidad

Wir machen uns zu sechst auf die Gegend zu erkunden. Raul kennt alle Pflanzen und wozu sie gut sind – ich mache viele Fotos von den unterschiedlichen Baeumen. Es gibt verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Anbauflaechen und Methoden. Es gibt auch ein Gebit, das sich selbst ueberlassen wird. Wir ernten auch einige Sacha Inchinuesse. Das Sacha Inchi-Projekt nimmt mittlerweile den groessten Teil unserer Arbeit hier in Pucallpa ein. Unsere Vorgaenger hatten sich ueberlegt gemeinsam mit den Jungbauern in der Umgebung eine Maschine aus Deutschland zu bestellen, mit deren Hilfe man Oel aus den Nuessen der Sacha Inchi Nuss gewinnen kann und dann verkaufen kann. Soweit ein guter Gedanke, doch so langsam wird uns (in diesem Bereich total unerfahrenden Freiwilligen) bewusst, wie viel dafuer noch getan werden muss. Nach der Fuehrung ueber das grosse Gelaende gibt es noch ein landestyhpisches Essen mit Kochbananen, Reis, Suppe und Fisch…

Dann steigt noch die obligatorische Partie Fussball, bei der die aeltesten ueberraschend die besten Leistunge und den groessten Einsatz zeigen…

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blume auf der Finca

Auf den angrenzenden Gelaenden kann man die Folgen von Brandrohdungen erkennen. Die Bauern der angrenzenden Grundstuecke haben aber auch Flaechen von Rauls Finca zerstoert, worueber Raul sich sehr aergert, den die Boeden einer Brandrohdung, liefern zwar zuerst noch gute Ernten, sind danach aber total unfruchbar und quasi degradiert. Auf dem Gelaende des Centro de la Biodiversidad gibt es wirklich unglaublich viele verschiedene Pflanzen und Baumarten. Es ist DAS Projekt von Raul, mit dem er auch beweisen wollte, dass es moeglich ist eine Finca mit hoher biodiversidad und hohen Ertraegen ausschliesslich oekologisch und mit Mischkultur zu betreiben. Ausserdem werden z.B. Aguaje geerntet, eine Regionstypische Frucht, aus der z.B. Saft gewonnen wird. Auch ich helfe ein wenig dabei, die Fruechte vom Stamm zu schlagen. Raul und seine Familien fahren jedes Wochenende auf die Finca, also zum Centro de la Biodiversidad.

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Arbeit an Holzschildern zum aufstellen

Es kann z.B. auch besichtigt werden und steht grundsaetzlich fuer Besucher offen. Auch hier werden wir in Zukunft z.B. Infotafeln erstellen und einen Rundgang einrichten, wofuer wir heute schon mal die Schilder gebastelt haben. Mehr Text und Fotos ueber unsere Vortraege an den Schulen, auch ueber die Finca , und natuerlich ueber unsere Reise kommen bald.

Schild an der Strasse zur Finca, bzw Chacra, bzw centro biodiversidad, bzw jardin etnobotanico, bzw KUKA...

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Fussball in Peru

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Fussball! Fussball in Peru ist meiner Ansicht nach Fussball pur. Das heisst hier geht es nicht um das perfekte Spielsystem, in dem jeder weiss, wie er zu spielen hat. Hier in Peru geht es um Einsatz und Herzblut.

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Allerdings ist die peruanische Nationalmannschaft nicht umsonst schon seit Jahrzenten bei keiner Weltmeisterschaft mehr dabei gewesen. Pizarro, Farfan, Guerrero…. alles super Spieler. Sie alle spielen aber nicht fuer die Nationalmannschaft. Sie haben es sich verscherzt indem sie nachts etwas zu ausgiebig gefeiert hatten und das Spiel der Nationalmannschaft wohl nicht ganz so ernst genommen haben. Der Trainer hat sie danach rausgeschmissen. Taktik und System suchte man beim Anschauen des Spiels gegen Uruguay vergeblich. Alles beruhte auf Zufall – inklusive dem Fuehrungs und gleichzeitig Siegtor fuer die Peruaner kurz vor dem Ende des Spiels. Viele Einzelaktionen, viel durch die Mitte, viele Konter, viele schlechte Torabschluesse, aber Einsatz!

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Auch bei einem Besuch hier in Pucallpa im Stadion war das gleiche zu beobachten. Es spielte die oertliche Universitaetsmannschaft der technischen Uni gegen einen Nachbarrivalen. Es waren immerhin etwa 5000 Zuschauer zugegen. Der Platz war in einem guten Zustand: ein guter Kunstrasenplatz. Auch hier das gleiche Bild: Wenig System und Taktik dafuer umso mehr Einsatz und Leidenschaft. Immer wieder gerieten die Spieler aneinander, wurde ueberhart in den Zweikampf gegangen oder nachgetreten. In Deutschland haette es wohl mindestens 4 rote Karten gegeben – hier war zu erkennen, dass der Schiedsrichter keine roten Karten verteilen wollte, weil er wohl heil wieder nach Hause kommen wollte. Dann kamen aber 5 Minuten, die es in sich hatten. Die Heimmannschaft kriegt nach einem Eckball den Ball nicht raus und es faellt das 0-1. Wuetende Angriffe folgen und es faellt auch zufaellig nach einem Gewuehl am Strafraum das 1-1. Danach ein super Konter und es faellt das vielumjubelte 2-1. Ein richtiges Aufbaeumen der Gastmannschaft findet nicht mehr statt und so endet die Partie anscheinend fuer alle akzeptabel 2-1. Allgemein wurde nicht viel gesungen und es gab immerhin 2 Fahnen und eine Trommel sowie ein grosses Transparent. Ansonsten tat jeder Zuschauer lauthals kund, was er von den einzelnen Aktionen der Spieler dachte. Kleine Kinder waren viele zugegen und vor allem neugierig woher wir kommen und welche Fotos wir so in unserer Kamera haben. Bier gab es uebrigens nicht im Stadion.

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Allgemein ist Sonntag immer und ueberall Fussballtag. Ganze Doerfer treffen sich um gegeneinander anzutreten. So war es auch bei unserem Besuch in Panaillo, einem kleinen Dorf mit deren Bauern wir zusammenarbeiten wollen, 1 Stunde entfernt von Pucallpa. Das ganze Dorf (zumindest die Maenner) trafen sich auf dem Dorfplatz, der sogar eine richtige Tribuene besitzt. Dann wurde sich die Wartezeit – etwa 2 Stunden – auf die einzelnen Spieler des Nachbardorfes, die einzeln eintrafen mit interessiertem Ausfragen der beiden Deutschen vertrieben.

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Auch in der Uni spielen Professoren mit Hemd und langer Anzughose zusammen mit Studenten. Jeder will gewinnen, der Spaß steht aber im Vordergrund.

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Ich selber spielte einmal auf dem Bolzplatz in unserem Viertel nachdem ich schon mehrmals angesprochen wurde, ob ich nicht mal mitspielen wollte. Zur abgemachten Zeit waren nur ein paar Spieler da und als ich fragte hiess es : spaeter… Als ich dann spaeter ankam wurde schon gespielt und zwar mit vollem Einsatz. Vor den Spielen wird jeweils Geld von Jedem Spieler eingesammelt um diesen Einsatz wird dann gespielt. Als das Spiel endete waren einige anscheinend gar nicht zufrieden und kam zu einer handfesten Schlaegerei zwischen zwei (Mit?)-spielern. Niemand ging wirklich dazwischen und nach ein paar Schlaegen ins Gesicht war die Schlaegerei vorbei und die beiden Streithaehne verliessen den Platz. Ich ueberlegte schon, ob ich hier richtig am Platz sei, da ich eigentlich auch niemanden richtig kannte, blieb dann aber. Die Mannschaft in der ich dann spielte nahmen es alles ein bisschen lockerer, sie waren auch alle etwas juenger und vor allem wieselflink. Sie spielten teilweise barfuss und es machte wirklich Spass, da wir auch gewannen und schoene Tore schossen. Ich wurde gleich gefragt, ob ich naechsten Tag wieder kommen wuerde, allerdings wurde an dem Tag dann kein Fussball gespielt… Auch in einer Mission nahe unserem Quartier wird Fussball gepielt, auch Basketball oder Volleyball. Hier ist alles noch etwas engagierter und mit schoenem Rasen, aber im Grunde wird auch hier mit viel Einsatz und Spass an der Freude gespielt. Allerdings ist es fuer einen Mitteleuropaer bei den Temperaturen hier wirklich nicht einfach nach drei Sprints nicht kaputt zu sein…

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Das Entscheidungsspiel

Fussballstadion Pucallpa

Auch waren wir beim Entscheidungsspiel des örtlichen Zweitligisten zugegen. Es herrschte eine ganz besondere Stimmung und Atmosphäre. Pucallpa war der Aussenseiter. Die Spieler versuchten alles, doch mehr als ein 1:1 sprang nicht heraus. Auch im Rückspiel auf fremdem Platz schlug sich das Team redlich. Endstand war dort 0:0, was leider dem Team aus Huanuco reichte um aufzusteigen, wegen dem geschossenen Auswärtstor. Fussballkenner werden sich mit dieser speziellen Arithmetik auskennen.

Wir kamen relativ spät zum Stadion und natürlich konnten längst nicht alle ins Stadion, die rein wollten. Über Beziehungen hatten wir uns aber im Vorfeld Karten gesichert, mussten uns aber trotzdem in die lange Schlange, die einmal halb ums Stadium ging einreihen. Als das Spiel dann angepfiffen wurde, wurden aber die Tore für Ticketbesitzer geöffnet und jeder musste sich noch schnell ein Plätzchen suchen. Da es keine Sitzplatznummerierungen oder sonstiges in dem Stadion gab, setzten wir uns in den Auswärtsblock, was im Verlaufe des Spiels sehr unterhaltsam wurde, weil ständig verbale Giftpfeile zwischen den Fanlagern hinundher flogen. Die “Ultras” des Gastvereins wurden erst etwas später eingelassen, worüber diese natürlich gar nicht erfreut waren, und wurden mit Polizeischutz ins Stadium begleitet.

im Stadion

Insgesamt ein nettes Ereignis, auch wenn es nicht im geringsten den Stadionbesuch unseres jeweiligen Lieblingsvereins ersetzten kann…

in Aktion

Ueberleben in der gruenen Hoelle

Ueberleben in der gruenen Hoelle…

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Es hoert sich dramatisch an. Fuer mich war es eine Art Ueberlebenskampf in der gruenen Hoelle. Gruene Hoelle deswegen, weil eine heftige Fieberkrankheit in einem Dorf, das nur mit ueber 4 Stunden Fussmarsch zu erreichen ist, einen wirklich zu existenziellen Gedanken zwingt. Kann ich noch die 4 Stunden zum naechsten Ort mit Strasseanbindung gehen, wenn selbst der Gang zur Toilette zu anstrengend ist? Gibt es Traeger, die mich tragen koennen? Gibt es Hubschrauber, die mich ausfliegen koennen – egal wie teuer?…

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Dabei fing alles harmlos mit einem geplanten Besuch von Moritz und mir in Felipe Pinglo, einem Ort nahe Tingo Maria, an. In diesem Dorf, das wirklich nur ueber einen 4 stuendigen Fussmarsch zu erreichen ist, wird Cafe angebaut und Freiwillige vom Welthaus helfen unter anderem dort in der Dorfschule. Als uns in Alto San Juan, dem naechsten per Strasse erreichbaren Ort ein Kolumbianer mitnimmt, ahne ich noch nicht, wie anstrengend dieser Fussmarsch sein wird. Es geht nur bergauf und wir muessen oefter einen Fluss durchqueren, weil an einer Strasse gebaut wird und wir diesen Wegabschnitt nicht passieren koennen. Es geht vorbei an Kakaoplantagen und per Waldbrand vernichteter Boden. Moritz hat noch etwas Fieber, das er sich am Vortag einhandelte. Als wir endlich in dem Bergdorf ankommen, bin ich schon von zu wenig Fluessigkeit und zu viel Anstrengung ausgelaugt. Ich versuche zu essen und zu trinken und wir schauen uns auch noch die Cafemaschine und den Garten der Familie an. Danach bereiten wir noch die Deutschstunde am naechsten Tag in der Schule vor, bevor ich totmuede einschlafe. Naechsten morgen tut mir alles weh und ich nehme schon mal Fieberthermometer und Schmerztabletten mit in die Schule. Das unterrichten macht Spass, doch als der Schuettelfrost immer staerker wird und das Thermometer 39 grad anzeigt, gehe ich zurueck zum Haus und lege mich ins Bett. Kurz darauf kann ich nicht mal mehr trinken oder essen. Ich hab kalte Fusse, Schuettelfrost, Kopfschmerzen, hohes Fieber, mir ist schlecht und ich kann nur schwer atmen. Die kommenden 2 Tage wird sich nicht viel bessern und ich werde sehr sehr wenig essen. Ich bezweifle stark, dass ich selber gehen kann und so wird quasi ein Traeger engagiert, und der Sohn der Familie traegt meinen Rucksack. Wir gehen noch im Morgengrauen los und der Traeger, der sonst Cafe schleppt schafft es sogar unter grossen Anstrengungen auch mich zu schleppe, obwohl er 2 Koepfe kleiner als ich ist. Ich beschliesse selber zu versuchen zu gehen und es klappt sogar. Allerdings ist in der einzigen Huette am Wegesrand, wo wir auf dem Hinweg noch Keckse gekauft haben, niemand zu Hause. Wir haben also nichts zu essen und ich habe Hunger!!! Ich schleppe mich also weiter und bin selber ueberrascht ueber meine letzten Energiereserven, die ich noch irgendwie mobilisiere. Ab und zu – etwa 1/6 des Weges werde ich auch geschleppt. Als wir in San Juan ankommen fahren wir gleich weiter nach Tingo Maria und von dort per Taxi weiter nach Pucallpa. Ich lasse den unbequemen Reistag ueber mich ergehen und bin heilfroh, als wir in Pucallpa am Abend ankommen. Die naechsten Tage habe ich immer noch Temperatur. Wir gehen 2 mal ins Krankenhaus ( dort herrschen Zustaende, die ich wirklich niemandem in einem Krankehaus wuenschen moechte und meine Wunschvorstellung in einem Krankenhaus an einem Tropf zu haengen und mich zu erholen relativiert sich ganz schnell wieder)

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Ich bekomme verschiedene Tabletten verschrieben und fuehle mich noch sehr schwach. Der Urintest ergibt, dass sich wohl einiges in meinem Koerper entzuendet hat und ich deswegen hohes Fieber hatte.

Aber ich habe es ueberstanden, ueberlebt, und vielleicht klappt meine naechste Reise auch etwas besser.

Aber eigentlich habe ich jetzt keine Angst mehr vor Krankheiten. Das Dengue-Fieber kann auch nicht viel schlimmer sein.

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Der erste Gedanke bei meiner Ankunft in dem Urwalddorf auf 1500 metern hoehe war: Mein Gott, was machen die Leute, wenn sie mal richtig krank sind? Jetzt weiss ich es… und jetzt kann ich auch jeden Menschen verstehen, der im Urwald eine Strasse zu seinem Haus haben moechte… jetzt ja!

Schulbesuch in Pucallpa

Samstag 29.08.09

 

Besuch der Schule „Sor Anetta de Jesus“

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 Wir wussten nicht wirklich wo es hingeht, nur so viel, dass es ein Treffen oder so sein sollte. Auf der Fahrt dorthin wurde klar, dass wir zu einer Schule wollen. Vor der Fahrt wurde erstmal klar, warum Margaritha, unsere Gastmutter das letzte Mal zum Markt gefahren war: Weil Raul unser Chef keinen Fuehrerschein hat – wobei es in Peru sehr selten ist, dass Frauen Autos oder Motorraeder fahren. Moritz und ich mussten also selber fahren und ich glaube, wir hatten uns das alle erstmal leichter vorgestellt. Auf jeden Fall gesellte sich zu der ohnehin schon vorhandenen Verspaetung noch die Zeit der Unwissenheit, wie der Rueckwaertsgang eingelegt wird. Als er endlich gefunden war, hatte Moritz grossen Spass im lauten und ungeordneten Verkehr von Pucallpa Auto zu fahren, wenn wir auch schon mal mit dem Unterboden aufsetzten. Nachdem wir dann die geaenderte Strassenfuehrung geschickt  umfahren hatten und uns durchgefragt hatten, erreichten wir die Schule.

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Als wir den Schulhof betraten, herrschte ein riesiges Gewusel und ueberall schrein und rannten Kinder in Uniform umher.Hier fand offensichtlich ein Fest statt. Genauer gesagt fand hier die Feria de cienca y technologia statt – also die Ausstellung der Wissenschaft und der Technologie.

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Alle Kinder schauten uns mit grossen Augen an und einige tuschelten hinter unserem Ruecken ueber uns. Im Innenhof der Schule waren Staende aufgebaut, auf denen Produkte ausgebreitet waren und dahinter bereiteten die Kinder einiges vor.Raul suchte eine bestimmte Professorin und als diese uns gefunden hatte, fuehrte sie uns in einen Konferenzraum in dem an einem Tisch schon einige Frauen und Maenner sich unterhielten. Bald sollte sich fuer uns herausstellen, dass es sich bei dem Fest um einen Wettbewerb handelte und dass die Menschen am Tisch die Juroren sein sollten. Den Juroren wurden dann verschiedene Klassenstufen zugeteilt, deren Produkte der einzelnen Klassen sie bewerten sollten. Da einige Juroren anscheinend noch fehlten wurde Moritz kurzerhand zum Juror ernannt und ich sollte ihm assistieren. Moritz sollte alle Ergebnisse der 5. Klassen bewerten. Es gab verschiedene Projekte, bei denen es darum ging aus den Fruechten und Pflanzen der Selva etwas nuetzliches bzw gesundes herzustellen. Es gab Suesses, Hustensaft, Seife, Hautcremen und aehnliches zu bewundern. Vor allem hatten sich alle Gruppen sehr viel Muehe mit Plakaten, ueberdachten Staenden, Beschriftungen der Produkte, dem Darstellen der Ursprungspflanzen oder Fruechten und dem Prozess der Gewinnung des Endproduktes, gegeben.

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Als erstes gab es Lutscher, die sehr gut schmeckten. Und natuerlich gab es noch viel andere Produkte, deren Namen wir nicht kannten und deren Indegrenzien uns unbekannt waren. Gut war auch ein Hustensaft aus Limonen und Honig, der zwar gewoehnungsbeduerftig schmeckte, der aber sehr gegen meine Erkaeltung half. Die letzte vorstellung allerdings uebertraf alles. Das Maedchen, das ihre Hautcreme vorstellte war schon vorher zu mir gekommen, und hatte gefragt, ob wir die Juroren sein und wann wir zu ihnen kaemen. Das Maedchen war derart aufgeschlossen und hielt den Vortrag so proffessionell, wie ich es noch bei keinem anderen Kind in ihrem Alter gesehen habe. Ein professionelles Poster und professionelle Etiketten taten ihr uebriges, dass diese Gruppe im Endeffekt auch gewann. Dabei machte ich jedoch mehrFotos, als dass ich Moritz bei der Bewertung helfen konnte, da ich auch relativ wenig verstand. Zum Schluss wurde ich noch aufgefordert etwas Suesses – eine Art Marmelade – zu essen.

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Die Frucht war mir natuerlich unbekannt, aber es schmeckte wie eine Mischung aus Erbeere und Pfirsich. Es wurden noch mehr Fotos gemacht und die Kinder waren sehr nett. Zu erwaehnen bleibt auch, dass es immer reichlich zu essen und zu trinken gab. Vor und nach der Praesentation gab es fuer alle Juroren extra Huenchen mit Reis und Cola, sowie eine gefuellte Brottasche mit Hackfleisch. – wie so oft in Peru, wurde auch hier am Essen nicht gespart und es zeigte sich die peruanische Gastfreundschaft.

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